Thursday, 11 January 2018

SCHOENHUT: Poetische Kinderwelten

MAGISCHE KINDERWELT

SCHOENHUT-AUSSTELLUNG GÖPPINGEN:



Gestern haben wir in Göppingen im städtischen Museum 'Im Storchen' die Sonderausstellung über den Göppinger Amerika-Auswanderer Albert Schoenhut besucht, der 1866 als 17jähriger in die Vereinigten Staaten reiste und dort Arbeit fand und hängen blieb. Er gründete eine Spielzeugfabrik, die bald zu den Größten der Branche gehörte. Neben dem berühmten Humpty-Dumpty-Zirkus mit Akrobaten, Clowns und wilden Tieren hat Schoenhut auch Puppen produziert sowie anderes attraktives Spielzeug. Dazu: das Toy Piano (Kinderklavier) mit Metallblättchen fabriziert, das heute als seriöses Musikinstrument mehr und mehr an Beachtung gewinnt.

                                                                                               
                                                                                                                                         Fotos: Rose Revitt
Die Ausstellung ist eine wunderbar poetische Zeitreise, die in die Kindheit zurückführt und im Humpty-Dumpty-Zirkus Spielzeug-Tiger, Löwen, Affen und Kamele lebendig werden läßt. Sie ist sehr übersichtlich gegliedert und mit genug Information versehen, so daß man auch über die sozialen Umstände etwas erfährt, die Albert Schoenhut und viele andere in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts veranlassten, Südwestdeutschland den Rücken zu kehrten, um in Amerika ihr Glück zu suchen. Den Besuch möchte ich jedem wärmstens empfehlen!






TOY PIANO KONZERT:

Als Rahmenprogramm zur Ausstellung findet am 24. Februar (19:30 !!!) in Göppingen im Zimmertheater im Haus Illig (Friedrich-Ebert-Straße 2) ein Konzert unter dem Titel 'Schoenhuts Traum' statt mit drei 'Acts': dem Duo Vera Kappeler / Peter Conradin Zumthor (Schweiz), Fifty-Fifty (Manfred Kniel, Ekkehard Rössle) und Isabel Ettenauer (Österreich). Sie werden das Toy Piano in all seinen musikalischen Möglichkeiten vorstellen. (Eintritt: 24 E. Vorverkauf: 20 E im Museum im Storchen)

Friday, 5 January 2018

Die minimalistischen Anfänge des Krautrock: A. R. & MACHINES

In der Echoschleife

Ex-Rattle Achim Reichel kehrt mit seinem Krautrock-Projekt A.R. & Machines ins Scheinwerferlicht zurück


cw. In den sechziger Jahren wurde er mit den Rattles zum Popstar. Dann hob Achim Reichel 1970 mit A.R. & Machines ein psychedelisches Krautrock-Projekt aus der Taufe, das mit Loops und Echo-Gitarre arbeitete und revolutionär für die damalige Zeit war. Eine 10er-CD-Box unter dem Titel „The Art of German Psychedelic“ (BMG / Warner) dokumentiert jetzt diese abenteuerliche Phase in Reichels über 50jähriger Karriere. Für einen ausverkauften Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie hat er das Bandprojekt im September zu neuem Leben erweckt.

”Ich war ja noch ein ganz junger Kerl, als das mit den Rattles anfing,“ erinnert sich der Hamburger. ”Wir gewannen den Star-Club-Bandwettstreit, wurden zu einer Art Hausband dort, waren mit den Beatles auf Deutschland-Tour und sind mit den Stones in England aufgetreten. Für uns war das alles zu schön, um wahr zu sein.“ Der Einberufungsbefehl riß Reichel 1966 aus seinem Popstar-Dasein. Auch sein Manager konnte ihm den Wehrdienst nicht ersparen. Nach der Entlassung war seine Stelle bei den Rattles besetzt: Reichel gründete daraufhin 1968 die Gruppe Wonderland, die unter der Ägide von James Last, der als Produzent fungierte, mit „Moscow“ einen Hit landete. 

Doch Reichel hatte kühnere Pläne: 1970 gründete er A.R. & Machines, ein Bandprojekt, das sich der Underground-Rockmusik widmete und in dessen Zentrum Reichels Echo-Gitarre stand. Das waren ziemlich verwegene Klänge für einen ehemaligen Beatmusiker. Alben wie „Sgt. Pepper“ von den Beatles hatten die Tür aufgestoßen und Reichel animiert, sich als Schallplattenproduzent zu betätigen, wobei er deutsche Rockgruppen wie Ougenweide und Novalis im Studio betreute. Das Interesse an den Möglichkeiten des Studios wuchs, sein musikalischer Horizont weitete sich.
Ein Knopfdruck brachte dann die Erleuchtung. Als er eines Tages mit seinem neuen Akai-Tonbandgerät herumspielte, drückte er die Aufnahmetaste: „Das Gerät spielte alle Gitarrenläufe zurück, wodurch ein Gitarrenwald von musikalischen Linien entstand, die sich überlagerten und eine Polyphonie ergaben,“ erinnert sich Reichel an das Schlüsselerlebnis. „Ich dachte: ‘Das ist ja Wahnsinn!’ und überlegte, was ich damit machen konnte.“

Reichel rief die Band A.R. & Machines ins Leben, nahm das Debut-Album „Die grüne Reise“ auf und trat bald bei Underground-Festival auf, wie den Deutschrock-Meetings der Petards in Bad Hersfeld. 1972 eröffnete er mit seinem Loop-Rock vor 70 000 Popjüngern das 2. British Rock Meeting in Germersheim. „Wir haben das als eine Art Sessionmusik verstanden,“ erklärt er. „Es wurde viel improvisiert. Das war eine Musik, die ein gewisses Risiko beinhaltete und manchmal bewegten wir uns auf verdammt dünnem Eis.“

Bei den Krautrock-Festivals wurde der „Rock ‘n’ Roll-Fuzzi“ mißträuisch beäugt. „Was will den der hier?“ schienen sich einige zu fragen. Doch Reichel ließ sich nicht beirren. Vier Jahre lang war er mit den Machines aktiv, dann war das kreative Potential ausgereizt und er wandte sich anderen Projekten zu.
 

Als er letztes Jahr an der Wiederveröffentlichung des Gesamtwerks arbeitete, traf er zufällig seinen ehemaligen Konzertagenten Carsten Jahnke, der ihn drängte, das Projekt doch in der neueröffneten Hamburger Elbphilharmonie vorzustellen. Obwohl Reichel anfangs skeptisch war, wurde das Konzert ein phänomenaler Erfolg. Der ausverkaufte Saal jubelte dem Altrocker zu. Das Konzert in der Elbphilharmonie hat es leider nicht mehr in die CD-Box geschafft. Doch vielleicht wird es ja zu einem späteren Zeitpunkt noch veröffentlicht.

In der aktuellen Nummer der Musikzeitschrift JAZZTHETIK (Nr. 1/2, 2018) befindet sich ein Interview, das ich mich Achim Reichel über diese Phase seiner Karriere geführt habe.

A.R. & Machines: The Art of German Psychedelic 1970-1974 (10er CD-Box, BMG / Warner)

Friday, 22 December 2017

The Return of Spider John Koerner

Spider John Koerner

    Das Comeback eine Folklegende


„Bluestitel waren interessant für mich, weil sie oft eine Poesie besaßen, die sehr treffend war.“


Letzte Woche sah ich die LP auf dem Flohmarkt in Hebden Bridge, auf Electra erschienen, 1965. Der Händler wollte £ 20 dafür. Das war mir zuviel: Sie war nicht in einwandfreiem Zustand! Diese Woche hat er sie mir für £ 12 überlassen – eine Art Weihnachtsgeschenk, kurz vor der Bescherung. Darauf hab ich nochmals den Artikel herausgekramt, den ich vor einiger Zeit für den FOLKER über SPIDER JOHN KOERNER geschrieben hatte, ein früher Kompagnon von Bob Dylan.

Für altgediente Folkfans ist Spider John Koerner ein Begriff. Der Gitarrist und Sänger wurde in den sechziger Jahren mit dem Trio Koerner, Ray & Glover bekannt, dessen mitreißende „Blues, Rags & Hollers“ (so ein Plattentitel von 1963) einen großen Einfluß auf viele Folkmusiker ausübten. Die Gruppe war eine der wenigen weißen Bands, die schwarzen Blues überzeugend präsentieren konnten. Lange Zeit war es ziemlich ruhig um den Veteranen geworden. Jetzt ist er wieder mit seiner Gitarre unterwegs und hat ein neues Album im Gepäck, das an die großen alten Zeiten anknüpft, als selbst Bob Dylan sich von ihm inspirieren ließ.

Will man mehr über Spider John Koerner erfahren, liefern die ‚Chronicles’ reichlich Material. Bob Dylan hat in sener Autobiographie Koerner mehrere Seiten bewidmet und ihn als einen der wichtigsten Einflüsse seiner formativen Jahre bezeichnet: „Ich war auf der Suche nach anderen Musikern mit ähnlichen Interessen. In einem Beat-Café saß der erste Geistesverwandte herum, den ich in Minneapolis kennenlernte. Es war John Koerner und auch er hatte eine akustische Gitarre dabei,“ schreibt Robert Zimmerman. „Wir verstanden uns auf Anhieb. Er beschäftigte sich schon ein paar Jahre länger als ich mit Folk. Aber er spielte auch viel Blues. Er sprach mit leiser Stimme, sang aber so laut wie ein Feldarbeiter. Koerner war ein mitreißender Sänger und von da an machten wir oft zusammen Musik. Ich lernte viele Songs von ihm.“



Bob Dylan war nicht der einzige, der John Koerner von seinem Ingenieurstudium abhielt. Auf einer Party traf Koerner den Gitarristen Dave Ray, der Countryblues à la Leadbelly spielte. „Dave brachte seinen Freund Tony Glover mit, einer Mundharmonikaspieler, und wir gründeten das Trio Koerner, Ray & Glover,“ erzählt Koerner. „Damals begann ich mich leidenschaftlich für Blues zu interessieren.“

Ihr Songmaterial fand die Gruppe auf alten zerkratzten Schellackplatten. Darüber hinaus traten jetzt Bluessänger wie Josh White, Jesse Fuller oder Big Joe Williams in ihren Gesichtskreis. Konzerte boten die Gelegenheit, den schwarzen Musikern genauer auf die Finger zu gucken. Aus all diesen Einflüssen entwickelten die drei mit der Zeit ihren eigenen Stil.

In Amerika kam Anfang der sechziger Jahre das Folkrevival allmählich in Fahrt. Oft dienten Coffeehouses in Universitätstädten als Startrampe für junge Talente. “Irgendwo in einer Ecke gab es meistens ein kleines Podest“, erzählt Koerner. „Abends stieg jemand auf die Bühne und gab ein paar Songs zum Besten.“

Anfangs spielte Koerner mit seinen Freunden nur traditionelle Bluesnummern nach. „Dann fing ich an, eigene Songs zu erfinden. Bluestitel waren interessant für mich, weil sie oft eine Poesie besaßen, die sehr treffend war.“ Koerner veröffentlichte ein erstes Soloalbum und trat auf dem Newport Folk Festival auf.  

1972 geriet er in eine Schaffenskrise. Er gab das Musikmachen auf und verschenkte seine Gitarre. „Ich hatte intensiv versucht, wie ein schwarzer Bluessänger zu klingen, was mir mit der Zeit immer problematischer vorkam,“ erklärt er das Problem. „Als ich nach einem Jahr auf die Szene zurückkehrte, war das Publikum etwas irritiert, weil ich nun statt Bluesnummern vermehrt Folksongs spielte.“

Dabei ist es bis heute geblieben. Auf seiner aktuellen Einspielung breitet Spider John Koerner mit Hilfe des Fiddlespielers Chip Taylor Smith, der auch zweite Stimme singt, ein Repertoire aus, das hauptsächlich traditionelle Folksongs umfasst. Die eine oder andere Bluesnummer ist auch darunter, dazu ein paar eigene Lieder. Ein paar Songs werden unbegleitet gesungen, begleitet nur vom rhythmischen Klappern der ‚Bones’.

Von seiner Vitalität hat der heute 75jährige kaum etwas eingebüßt. Noch immer überzeugt er mit einem „unbelievably funky guitar style“, wie Gitarrekollege Martin Simpson schwärmt. Und der ‚New Yorker’ meinte neulich, John Koerner sei wohl das Näheste, wie man heute Charlie Patton nahe kommen könnte.

Spider John Koerner with Chip Taylor Smith: What’s Left Of Spider John (Hornbeam Records)

Saturday, 9 December 2017

Hörspiel 'Der Schnäppchenbaum' von Matt Wand

Eine Weihnachtsgeschichte: DER SCHNÄPPCHENBAUM

Ich hab für den Hörspielautor und Musiker Matt Wand aus Manchester (ehemals Stock Hausen & Walkman, der auch mit Derek Bailey und Tony Oxley gearbeitet hat)  eine kleine Weihnachtsgeschichte ins Deutsche übertragen mit dem Titel „Der Schnäppchenbaum“. Sie lief heute im 'Spielraum' auf SWR2 und kann noch ein Jahr lang gehört werden – unbedingt hörenswert! Eigentlich für Kinder, aber richtig gute Geschichten sind ja für Kinder wie für Erwachsene.


http://www.kindernetz.de/spielraum/sendungen/-/id=126540/nid=126540/did=470310/zhcj8c/index.html

Thursday, 7 December 2017

'Träume'-Besprechung auf der website 'Hinterland-rocks'

Hinterland rocks!

Miche Hepp, ein seit langem unermüdlich Aktiver in Sachen Rockmusik aus Oberschwaben und großer Kenner der Szene, betreibt die äußerst lesenswerte website 'Hinterland-rocks', die interessante Musikereignisse in Oberschwaben und darüber hinaus publik macht und bespricht. Jetzt hat er meinem Buch 'Träume aus dem Untergrund' eine ausführliche Besprechung gewidmet:

https://www.hinterland-rocks.de/lesestoff/tr%C3%A4ume-aus-dem-untergrund/

Nine Days Wonder (Sammlung: W. Seyffer)

Schwäbisches Tagblatt, Tübingen, 25. 9. 1970 

Wednesday, 6 December 2017

Jahresrückblick 2017: MUSIK

Ein kleiner musikalischer Jahresrückblick 2017 (so far)

Die beiden Künstler, die mich dieses Jahr am längsten begleitet haben, waren:

Natalie Merchant: The Natalie Merchant Collection (Nonesuch)

Hier besonders, die beiden Titel, die in einem wunderbaren Youtube-Video zu sehen sind:

https://www.youtube.com/watch?v=8GosZG882QM

und Aimee Mann und ihr Album 'Mental Illness' (Superego Records)

Ich empfehle die Youtube-Videos:

https://www.youtube.com/watch?v=n0Ry5EmcoNM

https://www.youtube.com/watch?v=RrWuNUkSzI4

zum Entspannen und Tagträumen:

wunderbar relaxed Gitarrenmusik mit dem Keyboard-Wizzard der New Yorker Downtown-Szene Jamie Saft (ja er spielt auch eine fantastische Slidegitarre): Bill Brovold & Jamie Saft - Serenity Knolls (Rare Noise)

https://www.youtube.com/watch?v=wxxJ7rkg-zk


An Jazzalbum haben mich beeindruckt:                              

                                                                                                                                                                       Chris Speed Trio
wegen seines Erfindungsreichtums:  Borderlands Trio - Asteroidea (Intakt)

wegen seiner melodischen Qualität: Chris Speed Trio - Platinum on Tap (Intakt)

so locker und relaxed: Tom Rainey Obligato - Float Upstream (Intakt)

„mein Freund Tony“ mit einem Jazzalbum, dass seine „Jazz Roots“ offenlegt: Tony Allen - A Tribut to Art Blakey & Thr Jazz Messengers (Blue Note)

Nachswuchsband mit Potential: Weird Beard - Orientation (Intakt)

Weltmusik: 

Afrobeat at its best: Tony Allen - The Source (Blue Note)

Frühe Musik:

Gallicantus (dir. Gabriel Crouch) - Lassus / Lacrime di San Petro (Signum)

Meine besten Live-Gigs waren:

Tinariwen in der Manufaktur in Schorndorf
                                                                                                                              Frederic Rabold Trio (Foto: Jörg Becker)
Das Frederic Rabold Trio bei der Buchtaufe der 'Träume aus dem Untergrund' im Theaterhaus in Stuttgart

https://www.youtube.com/watch?v=pGBb5mDt8uw

Embryo (2nd Generation) bei einem Konzert im Büro von Manuel Wagner & David Spaeth in Stuttgart

https://www.youtube.com/watch?v=iTcM5WiCSWM

Zeitkratzer mit ihrem 'Kraftwerk'-Programm in Huddersfield

Entdeckungen waren außerdem:

das Trio Wild Flower (Idris Rahman / Leon Brichard / Tom Skinner)
                                                                                                                                                                  Kokoroko Afrobeat Collective
das Afrobeat Collective Kokoroko

https://www.youtube.com/watch?v=zUnKDK1iklo

Exzellente Bücher, die mich beschäftigt haben:

- Stephen Petrus & Ronald D. Cohen: Folk City – New York and the American Folk Music Revival (Oxford University Press)

- Thomas Kaufmann: Erlöste und Verdammte – eine Geschichte der Reformation (C.H. Beck)

Stefan Bollmann: Monte Verità: 1900 – der Traum vom alternativen Leben beginnt (DVA)

Vorschau:

In SWR2 in 'Radiophon - Musikcollagen' am Donnerstag, 15. März 2018 werde ich einige Titel aus diesen Alben und noch anderes Interessantes spielen (21:03 -22:00)

Am 21. Juli 2018 findet das nächste Schlachthof-Festival in Sigmaringen statt, mit u.a. Embryo

  Embryo (2nd Generation)